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Johanniskraut

Einheimische Heilpflanzen und Kräuter und ihre Wirkung im Ayurveda

Übersicht einheimische Heilpflanzen

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

-       bringt als Mittsommerpflanze Sonne und Licht in die Seele und vertreibt Melancholie und Stimmungsschwankungen

Das echte Johanniskraut ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Johanniskräuter (Hypericum) in der Familie der Hypericaceae (Hartheugewächse). Die Pflanze ist in Europa, Westasien und Nordafrika heimisch. Eingebürgert wurde sie auch in Ostasien, Nord- und Südamerika, selbst in Australien. Johanniskraut war die Arzneipflanze des Jahres 2015.

Den umgangssprachlichen Namen  erhielt das Johanniskraut von Johannes dem Täufer. Die Pflanze wird auch als Hergottsblut bezeichnet. Diese Bezeichnung ist wohl auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Blätter blutrotes Hypericin enthalten, das beim Zerreiben auf den Fingern eine Rotfärbung hinterlässt.

Die Germanen verehrten das Johanniskraut als Lichtbringer und als Symbol für die Sonne und wussten bereits um die Depressionen und Melancholie senkende Wirkung dieser Heilpflanze.  Im späten Mittelalter setzten Kräuterkundige das Johanniskraut auch als Mittel gegen Ängste und Stimmungsschwankungen ein.

Geerntet wurde die Pflanze zur Sommersonnwende (21. Juni). Um diese Zeit blüht das goldgelbe Kraut auch gewöhnlich (besonders an Johannis, am 24. Juni eines Jahres). Zu den Sonnwendfeiern trugen die Frauen und Mädchen Kränze aus Johanniskraut. Mit der Christianisierung wurde die rituelle Bedeutung des Johanniskraut auf Johannes den Täufer übertragen; so kam es auch zum Namen Johanniskraut (engl.: St. John`s Wort; span.: hierba de San Juan).

Volkstümliche Namen für das Johanniskraut sind Hartheu, Blutkraut, Frauenkraut, Jageteufel, Jesuswunderkraut, Tüpfel-Johanniskraut, Wundkraut, Bettstroh, Teufelsflucht, Christi Kreuzblut, Christi Wunderkraut, Hergottsblut, Hartenaue, Sonnenwendkraut.  Manche Namen deuten darauf hin, dass das Johanniskraut auch im Heu verwendet wurde, dort aber durch seine sehr harten Stängel auffiel.

Rosmarin
Echtes Johanniskraut
© Graf/Jahrmarkt,  Ayurveda Bilder

Die Pflanze kann bis zu einem Meter hoch werden. Sie treibt einen verzweigten Stängel aus. Die gegenständigen Blätter sehen eiförmig oder elliptisch aus und tragen zahlreiche durchscheinende Punkte (Drüsen) auf der Oberfläche. Die Blüten selbst sind goldgelb, besitzen auffallend lange Staubblätter und sind in Trugdolden angeordnet. Sie sind ebenfalls mit hellen oder dunklen Drüsen durchsetzt.

Wenn die Blüten zwischen den Fingern zerrieben werden, bekommt man „blutige“ Hände. Die verletzten Blüten sondern eine rötliche Flüssigkeit (Hypericin) ab, so dass der Eindruck von Blut entsteht und dadurch die Pflanze früher einen geheimnisvollen Charakter hatte und zu rituellen Zwecken verwendet wurde.

Johanniskraut blüht grundsätzlich von Juni bis September. In Europa und Westasien wächst es überwiegend an Wegrändern, auf trockenen Wiesen und in lichten  Wäldern. Johanniskraut kann gut im eigenen Garten angebaut werden, denn es ist pflegeleicht. Die Pflanze wünscht sich einen sonnigen Standort, der am besten kalkreich sein sollte. Der Boden kann auch steinig sein und muss nicht viele Nährstoffe enthalten.

Am einfachsten wird Johanniskraut durch Ansäen angebaut. Dazu im Frühjahr die Samen in Anzuchttöpfchen oder direkt ins Freiland bringen und dünn mit Erde bedecken, dann feucht, aber nicht nass halten. Wenn das Johanniskraut erst im Sommer gesät wird, kann man erst im nächsten Jahr mit der Blüte rechnen. Grundsätzlich ist das Johanniskraut mehrjährig, verliert aber nach ein paar Jahren am selben Standort seine Kraft und wächst nicht mehr so üppig. Deshalb sollte man nach einigen Jahren den Anbauplatz oder Standort wechseln.

Gesammelt werden das ganze oberirdische blühende Kraut, also die ganze Pflanze ohne Wurzel, oder nur die frisch aufgeblühten Blüten. In den meisten Gegenden ist  die beste Erntezeit um den 24. Juni herum, denn in dieser Zeit steht das Johanniskraut in voller Blüte (24. Juni = Sankt Johanni = Sinnbild heiliger Licht- und Wärmekräfte).

Für Tee und Tinktur kann das ganze Kraut verwendet werden, das viele wertvolle Wirkstoffe enthält, für Johanniskrautöl nur die Blüten. Der Hauptwirkstoff Hypericin ist nur in den Blüten enthalten. Gesammelt wird das Johanniskraut vormittags, sobald der Tau abgetrocknet ist. An einem luftigen trockenen Ort wird das Kraut, zu Bündeln zusammengefügt, getrocknet.  Die gesammelten Blüten können sofort zu Öl angesetzt werden oder sie werden ebenfalls getrocknet.

Die Pflanze enthält als Droge  Hyperforin, Hypericin und Pseudohypericin, Xanthone und ätherische Öle. Zudem besitzt Johanniskraut einen hohen Gehalt an Gerbstoffen, Bitterstoffen, Kaffeesäure, Vitamin C, Fette und Wachse.

Rosmarin
Blüten des Johanniskrauts
© Graf/Jahrmarkt, Ayurveda Bilder

Die besonderen Wirkungen des Johanniskrauts

Arzneilich werden beim Johanniskraut die ganze Pflanze (das blühende Kraut) in getrocknetem Zustand oder nur die Blüten verwendet. Daraus kann ein ausgesprochener Antidepressiva-Tee mit spürbarer Wirkung bei vielen Stimmungsschwankungen und Ängsten  gemacht werden. Nach einer medizinischen Studie gilt seit den 70er Jahren Johanniskraut als das wichtigste pflanzliche Depressivum. Nach mehrwöchiger Anwendung kann Johanniskraut in sehr hoher Dosierung leichtere Depressionen lindern. Diese hohen Dosierungen sind jedoch mit den im Handel erhältlichen Mitteln nicht ohne weiteres zu erreichen.

In der klassischen Kräuterheilkunde wird das Johanniskraut eher als Mittel angesehen, um das Sonnenlicht des Hochsommers aufzunehmen und dann im trüben Herbst und Winter von dieser Helligkeit und Wärme zu zehren. 

Auch als Nervenmittel bei Nervosität, Schlaflosigkeit und Angstzuständen sowie in der Frauenheilkunde und im Bereich der Verdauungsorgane können die Wirkstoffe des Johanniskrauts Besserung und Linderung bringen.  Diese heilende Anwendung des Johanniskrauts ist heute oft in Vergessenheit geraten bzw. nur noch Wenigen bekannt.

Johanniskraut wirkt adstringierend (zusammenziehend), blutungsstillend, harntreibend, krampflösend und schmerzstillend. Die zusammenziehend  wirkenden Pflanzenstoffe führen auch zu einer Hemmung von Entzündungen und bewirken eine meistens erfolgreiche rasche Wundheilung. Die antidepressive, angstlösende und beruhigende Wirkung der Pflanzenstoffe sind am bekanntesten.

 

Johanniskraut (in Form von Tee) wirkt besonders bei:

-       Depressionen, Melancholie

-       Nervöse Unruhe, Angstzustände

-       Krämpfe

-       Virusinfektionen

-       Magenschleimhautentzündungen

-       Leichte Leber- und Gallestörungen

-       Störung der Atemwege

-       Verdauungsbeschwerden

-       Rheumatismus, Ischias

-       Frauenbeschwerden

-       Brandverletzungen, Verbrühungen

Johanniskraut (in Form von Öl, äußerlich) wirkt besonders bei:

-       Wundbehandlungen

-       Sportverletzungen

-       Quetschungen

-       Verbrennungen

-       Rheumatische Beschwerden

-       Gelenkentzündungen

-       Hämorrhoiden

-       Gürtelrose

-       Hautunreinheiten

-       Prellungen

-       Verstauungen

 

Heilpflanzliche Anwendungen und Tipps

Johanniskraut ist eine langsam wirkende, tief gehende und Helligkeit und Klarheit bringende Heilpflanze mit einem großen Spektrum an Wirkstoffen. Die Pflanze leistet mit ihren Wirkstoffen neben den medizinisch gebotenen Anwendungen universelle Hilfe bei fast allen Dunkelzuständen, wie Depressionen und Stimmungsschwankungen. Johanniskraut  gilt aber auch als gutes Wundkraut, denn seine adstringierenden Eigenschaften  sorgen dafür, dass die Blutung gestillt wird und die erste Phase der Heilung schnell beginnen kann. Die zusammenziehende Wirkung hilft aber auch bei Durchfall und Magen-Darm-Katarrh.

Die wichtigste Form der Darreichung ist der Tee aus dem in der Sommersonne geernteten und getrockneten Kraut des Johanniskrauts. Der Tee hat beruhigende und adstringierende  Wirkung und hilft bei der Wundheilung und Entzündungen jeder Art. Es können täglich morgens und abends je eine Tasse getrunken werden.

Für die Teezubereitung nimmt man einen halben Teelöffel Kräuter auf eine Tasse  Wasser, nur aufbrühen und abgedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Die Anwendung sollte über mehrere Wochen stattfinden, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen.

Sitzbäder mit Johanniskraut-Ansatz helfen bei Einschlafstörungen und innerer Unruhe. Dazu wird ein Eimer Johanniskraut (Stängel, Blätter und Blüten) über Nacht mit kaltem Wasser angesetzt. Vor dem Bad wird alles bis zum Kochen erhitzt und dem Badewasser zugegossen. 20 Minuten Badedauer sind ausreichend.

Zu beachten sind bei der Einnahme von Johanniskraut in jeder Form mögliche Neben- und Wechselwirkungen. Johanniskraut erhöht grundsätzlich die Lichtempfindlichkeit der Haut. Deshalb sollten vor allem hellhäutige Personen während der Einnahme auf Sonnenbäder verzichten.

Neuere Untersuchungen haben auch gezeigt, dass hochdosierte Johanniskraut-Präparate Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben können. So kann die Wirkung von immunsuppressiven Medikamenten bei gleichzeitiger Einnahme von Johanniskraut (gilt auch für Einreibungen)  abgeschwächt werden. Auf jeden Fall sollte bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente vor der Anwendung der Arzt oder Apotheker befragt werden. Vielfach wird auch gesagt, ohne dass dies bisher durch medizinische Studien bestätigt werden konnte, dass die Wirkung von hormonellen Verhütungsmitteln (z.B. die Pille) abgeschwächt werde. Dieser Gedanke sollte sicherheitshalber auch berücksichtigt werden.

 

Die ayurvedische Wirkung des Johanniskrauts

Johanniskraut  ist entsprechend den ayurvedischen Geschmacksrichtungen (rasa) zusammenziehend (herb) und bitter.

Die Grundeigenschaft ist schwer.

Die energetisierende Wirkung ist erhitzend.

Die Geschmacksrichtung herb (zusammenziehend, adstringierend) ist austrocknend, kühlend und schwer, behindert die Eliminierung von Winden, Urin und Darminhalt. Zusammenziehend wirkt immer blutstillend und kühlend. 

Die Geschmacksrichtung bitter wirkt fiebersenkend, antibakteriell, antiseptisch, Keim tötend  und entgiftend. Bitter reinigt das Blut und das gesamte Gewebe, hat eine leicht herabsetzende und schwächende Wirkung auf den Körper.

 

So beeinflussen die Wirkstoffe des Johanniskrauts ayurvedisch die Dosha:

Vata und Pitta werden vermindert (ausgeglichen)

Kapha wird erhöht (verstärkt)

Ayurvedisch wirkt das Johanniskraut besonders auf die Gewebe (dhatus): Plasma (rasa), Blut (rakta), Nerven (majja) und auf die Systeme (srotas): Nerven, Verdauung, Atmung.

 

Im Ayurveda gilt Johanniskraut als entzündungshemmend, krampflösend und hat eine reinigende und gewebefestigende Wirkung. Es wird überwiegend bei Hautkrankheiten eingesetzt.

Und im Einzelnen bei den ayurvedischen Indikationen:

-       Hautprobleme

-       Neurodermitis

-       Störungen des Verdauungssystems

-       Atemwegsprobleme

-       Ekzeme

-       Eitrige Entzündungen

-       Auffälligkeiten im Nervensystem

-       Depression, Stimmungsschwankungen

-       Wunden, Stiche, Schnitte

-       Leber- und Gallenprobleme

-       Sportverletzungen

-       Rheumatische Beschwerden

-       Krämpfe, Virusinfektionen

Zubereitung und Anwendung:

Zu Heilzwecken werden die Blätter (das ganze Kraut) und Blüten des Johanniskrauts  als Tee oder als ätherisches Öl angewendet.  Die am besten während der Blütezeit gesammelten Blätter oder Blüten sollten in getrocknetem Zustand verwendet werden.

Für den Tee werden ½ Teelöffel des Krautes mit  einer Tasse kochendem Wasser übergossen. Nach 10 bis 15 Minuten abseihen und morgens und abends eine Tasse davon trinken.

Johanniskrautöl (auch Rotöl genannt) hat entzündungshemmende Eigenschaften und beruhigt trockene und schuppige Haut. Dieses nicht reizende Öl kann durch Mazeration gewonnen werden: Johanniskraut-Blüten werden zwei Monate lang in kaltgepresstes Oliven- oder Sonnenblumenöl eingelegt, gelegentlich kräftig geschüttelt und darüber hinaus in die Sonne oder neben den Ofen gestellt. Nach einiger Zeit erhält das Öl eine rote Farbe. Dann wird es durch ein Tuch gefiltert, die Rückstände ausgepresst und in dunklen Flaschen aufbewahrt.

 (zum Teil zusammengefasst nach Rhyner/Frohn, Heilpflanzen im Ayurveda, 2006)

© VedaLife GbR 2016

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