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Berichte und Erfahrungen

Wie die Pongauer Maske "Der Waldgeist" in Lo Manthang ihre zweite Heimat fand

Am 24. September 2012 brechen Gottfried Graf und Dr. Manfred Jahrmarkt zum Besuch des verborgenen und schwer zugänglichen Königreichs Mustang in Westnepal nördlich der Himalaya-Kette auf. In ihrem Gepäck haben sie eine originale Perchtenmaske des Maskenschnitzers Wolfgang Gangl aus St. Johann im Pongau dabei. Die Maske soll künftig in einem buddhistischen Kloster in Mustang aufbewahrt und kultiviert werden und zu einem kleinen Kulturaustausch auf dieser traditionsreichen Ebene beitragen.

Bei der ersten Zwischenstation bei Freunden in Kathmandu wird eine Puja (Andacht und Segnung) mit einem buddhistischen Lama gefeiert und der Segen der Götter für das bevorstehende Hochgebirgstrekking und die Reise der Maske erbeten. Die mitgebrachte Maske wird ebenfalls gesegnet, nachdem ihr Charakter und ihre Ausstrahlung festgestellt wurden.

Der Lama ist der Meinung, dass ihn die Maske an einen Mahakala (einen zornvollen Schutzgott des tibetischen Buddhismus, tibetisch "Gömpo") erinnert. Die Reisenden interpretieren die Ausstrahlung der Maske ebenfalls als Zorn erfüllt und Angst erregend, zugleich auch Schutz gewährend und sie geben ihr die Bezeichnung "spirit of the forest" (schützender Waldgeist).

Die hier mitgebrachte und gezeigte Form ist als Perchten-Maske mit Waldzweigen und Flechten und grau-grünlicher Farbe ausgestaltet.
Die Perchten-Masken in ihrer zornvollen und Angst erregenden Form (Schiachperchten) dienen seit Alters her dazu, bei Umzügen getragen und mit viel Lärm gezeigt, den Winter und seine Folgen zu vertreiben.

Die Schutzgottheit Mahakala ("der Große Schwarze") kann viele Gestalten annehmen. Die Mahakala-Masken werden auch heute noch bei Klosterfesten als Tanzmasken verwendet, wobei die von Mönchen ausgeführten Tänze unterschiedliche Bedeutung haben können.

Nach einem weiteren kurzen Flug mit einer sechzehnsitzigen Kleinmaschine und der Verteilung der Lasten auf Träger und Mulis beginnt das täglicheTrekking in einer Höhe zwischen 3500 und 4500 Metern. Straßen, befahrbare Wege oder nutzbare Fortbewegungsmittel gibt es für uns nicht, nur sehr vereinzelt etwas Strom, den wir mit unseren kleinen portablen Solaranlagen ergänzen. So stellen wir uns ein Land in Zeiten des Mittelalters vor.

Ziel unserer Pilgerreise ist die Hauptstadt des Königreichs Mustang mit dem Namen Lo-Manthang (Lo = Bezeichnung der Menschen im Königreich Mustang, Manthang = Tal der Wünsche) und später der für Hindus und Buddhisten gleichermaßen heilige Ort Muktinath.

Nach sieben anstrengenden Wandertagen erreichen wir über den extrem windigen und kalten Paß (Lo Day La, 3950 Meter hoch) endlich die Hauptstadt Lo-Manthang mit ihren mächtigen dunkelroten Klosterbauten vor dem Hintergrund der bereits zu Tibet gehörenden Bergrücken.


Lo-Manthang mit Kloster

Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes in Lo-Manthang machen wir uns mit der Klosteranlage Choede Gömpa (das neue Kloster) vertraut und besuchen zuerst das Museum des Klosters, das viele wertvolle und sehr alte buddhistische Sakralgegenstände zeigt, zum Teil etwas ungeordnet und verstaubt. Das erst dreihundert Jahre existierende Kloster ist ein Komplex, bestehend aus vielen Gebäuden und einer Schule für Waisenkinder und Kinder armer Eltern, der insgesamt dem Sakya-Orden zuzuordnen ist. In den beiden fast eintausend Jahre alten Klöstern (Jampa Gömpa, Tubchen Gömpa), die in Lo-Manthang gerade restauriert werden, leben keine Mönchsgemeinschaften (sangha) mehr.


Das Kloster


und sein Innenhof

Wir treffen den Lama und Principal (so nennt er sich selbst) des Klosters Choede Gömpa mit dem Namen Chhing Chhyope (Tsering Tashi) und schließen schnell Freundschaft. Unser Anliegen, ihm und dem Kloster eine Perchtenmaske zu übergeben, nimmt er interessiert und freundlich auf. Als wir ihm die Maske zeigen, erschrickt er zuerst, lässt sich aber dann erklären, wie die Geschichte, Tradition und Erscheinungsform dieser besonderen Masken aus den Europäischen Alpen, besonders Österreich und Süddeutschland lautet.

Er stimmt mit uns überein, dass die übergebene Maske eine Erscheinungsform des Mahakala sein könnte, der zornvoll, jedoch in guter schützender Absicht den Menschen hilft und sie vor weiterem Unheil bewahrt. Die ebenfalls übergebene Dokumentation über die Maske in englischer Sprache gehen wir kurz mit ihm durch und erläutern noch unklare Bedeutungen. Als Dank für unsere Gabe, die später im Kloster- Museum einen Platz finden soll, überreicht der Lama uns zwei kleinere Mahakala-Masken mit dortiger Provenienz.


Übergabe der Maske an Lama und Principal Chhing Chhyope (Tsering Tashi)

Die anschließende Präsentation der Perchtenmaske bei den Mönchen in der Arbeitshalle, in der gerade Opfergaben aus Yakbutter und Zucker für das auf den nächsten Tag angesetzte Klosterfest hergestellt werden, wird staunend und fröhlich begrüßt. Wir erklären jedes Mal, auch bei den Mönchen im Klosterhof, was es mit der Maske "the spirit of the forest" auf sich hat und warum wir sie mitgebracht haben.

Als weiteres Dankeszeichen des Lamas dürfen wir unter Begleitung eines Mönches die nicht der Öffentlichkeit zugängliche Maskensammlung des Klosters betrachten und auch fotografieren. Hier befinden sich zum Teil wertvolle und alte Masken, die aber leider auch hier nicht beschrieben und katalogisiert sind. Wir erfreuen uns trotzdem sehr an diesen wunderschönen, zum Teil aber ebenfalls Furcht erregenden Kunstwerken.

        

         

Wir sind froh und erleichtert, dass die Perchtenmaske einen angemessenen und würdigen Platz im Kloster von Lo Manthang gefunden hat und wir zu einem kleinen Kulturaustausch beitragen und die gegenseitige Verständigung auf dieser traditionsreichen Ebene fördern konnten. Mit einer Spende für die Klosterschule (www.tsechhen.org.np  und Schulverein Lo- Manthang: www.lo-manthang.ch) verabschieden wir uns - und haben den Lama in der Zwischenzeit bereits wieder freundschaftlich in der Schweiz getroffen. Er hielt sich zu einem mehrtägigen Aufbau und der Erläuterung eines Sand-Mandalas in der Schweiz auf, auch hier um Spenden für das Kloster, die Schule und das Museum zu sammeln.

© Gottfried Graf und Dr. Manfred Jahrmarkt, Dezember 2012